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Debatte · 14.10.2026

Lockheed, RTX, Northrop & Co: ist die Rüstungsrally noch durch Substanz gedeckt?

Leitfrage Rüstung nach der Rally: Substanz oder eingepreister Patriotismus?

Kampfjet und Börsenkurve symbolisieren die Debatte um Bewertung und Nachfrage der Rüstungsindustrie.

Fünf Rüstungskonzerne, fünf Kennzahlen-Pakete, eine Frage, die Anleger seit Monaten umtreibt: trägt die Kursrally der Branche noch echte Substanz, oder ist der politische Rückenwind aus NATO-Ausgabenzielen und EU-Förderprogrammen längst im Kurs verarbeitet? Fünf Strategie-Perspektiven, Value, Momentum, Dividende, Growth und Contrarian, haben Bewertung, Wachstumsschätzungen, Cashflow-Ausschüttung und Auftragslage von Lockheed Martin, RTX, Northrop Grumman, General Dynamics und Huntington Ingalls gegeneinander geprüft. Das Ergebnis zeigt, wie unterschiedlich sich dieselbe Zahlenbasis lesen lässt, je nachdem ob Chart, Bilanz oder Sentiment am Ende den Ausschlag gibt.

Jury-Fazit

4 pro, 0 contra, 0 offen von 4 Teilfragen
4 Pro0 Offen0 Contra
Stimmen der Agenten je Teilfrage
AgentBewertungWachstumstrendKapitalrückflussNachfragetreiber
Value AgentProProProPro
Momentum AgentContraContraProPro
Dividenden AgentProProContraPro
Growth AgentProProProPro
Contrarian AgentContraContraProPro
Verdikt3:23:24:15:0
Agenten5 AgentenTeilfragen4Abstimmung4:0:0Datenlage4 von 4 Kennzahlen belegt (belastbar)

Je Spalte eine Teilfrage, in der Reihenfolge des Urteils unten. Balken und Legende zählen die Teilfragen nach Ausgang, - steht für Enthaltung.

Die Ausgangslage

Ausgangslage

Alle fünf großen US-Rüstungstitel notieren beim Forward-KGV unterhalb ihres eigenen Fünfjahresschnitts: Lockheed Martin kommt auf 15,8 gegenüber einem Schnitt von 19,7, Northrop Grumman sogar auf 16,2 gegenüber 19,3 und liegt damit im niedrigsten Fünftel der eigenen Bewertungshistorie. RTX bleibt mit 23,5 der teuerste der fünf, doch auch hier liegt der historische Schnitt mit 33,7 deutlich höher. Die erwarteten Gewinnsteigerungen für 2027 und 2028 reichen von rund 7 Prozent bei Lockheed bis 16,4 Prozent bei Huntington Ingalls, getragen von prall gefüllten Auftragsbüchern: RTX sitzt auf einem Backlog von 289 Milliarden Dollar, General Dynamics und Huntington Ingalls teilen sich ein 76,6-Milliarden-Dollar-U-Boot-Paket. Trotzdem ist die Kursentwicklung der letzten zwölf Monate alles andere als einheitlich: RTX legte um 16,8 Prozent zu, Lockheed moderat um 2,4 Prozent, während General Dynamics (-0,4 Prozent), Huntington Ingalls (-9,7 Prozent) und vor allem Northrop Grumman (-21,7 Prozent) trotz solider operativer Zahlen fielen, bei Northrop ausgelöst durch einen Cashflow-Einbruch im ersten Quartal und den an Boeing verlorenen Marinejäger-Wettbewerb. Bei der Ausschüttung zeigt sich ein klares Gefälle: RTX gibt nur 33 Prozent des freien Cashflows für Dividende und Rückkäufe aus, General Dynamics 40 Prozent, während Huntington Ingalls bei mageren 0,3 Milliarden Dollar freiem Cashflow bereits 81 Prozent ausschüttet und im zweiten Quartal 2026 sogar ins Negative rutschte. Politisch bleibt der Rückenwind konkret: das NATO-Ziel von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und das EU-Rüstungsprogramm SAFE über 150 Milliarden Euro stehen als beschlossene Rahmenbedingungen hinter frischen Milliardenaufträgen wie RTX' AMRAAM- und SM-6-Verträgen über bis zu 20,7 beziehungsweise 24,4 Milliarden Dollar.

Kurz zusammengefasst

  • Bewertung: Forward-KGV aller fünf Titel liegt unter dem eigenen Fünfjahresschnitt, Mehrheitsverdikt 3:2 sieht darin echten Bewertungsspielraum statt Zufall.
  • Wachstum versus Kursrally: Mehrheitsverdikt 3:2 sieht die EPS-Schätzungen für 2027/28 als fundamentale Deckung, trotz gegenläufiger Kursentwicklung bei Northrop Grumman, General Dynamics und Huntington Ingalls.
  • Cashflow-Substanz: Mehrheitsverdikt 4:1 bestätigt, dass nach Dividenden und Rückkäufen branchenweit genug Kapital für Investitionen bleibt, mit Huntington Ingalls als klarer Ausnahme.
  • Politische Nachfrage: einstimmig 5:0 stufen NATO-Ausgabenziel, EU-SAFE-Fonds und Großaufträge wie das 76,6-Milliarden-Dollar-U-Boot-Paket als reale, nicht nur eingepreiste Nachfragetreiber ein.

Betroffene Aktien

Kennzahlen aus den Hausdaten der Debatte, Stand 14.10.2026

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Die Positionen

Die fünf Positionen

01

Value Agent

Bilanz der Teilfragen-Urteile: 4 Pro
Der Sektor hat die Rally der letzten Jahre noch nicht vollständig in die Bewertung eingepreist: Alle fünf Titel notieren unter ihrem eigenen 5-Jahres-KGV-Schnitt, am deutlichsten Northrop Grumman mit Perzentil 20. Substanz ist da, aber bei Huntington Ingalls frisst die Ausschüttung fast den gesamten Cashflow auf, das ist kein Freifahrtschein für den ganzen Sektor.
02

Momentum Agent

Bilanz der Teilfragen-Urteile: 2 Pro · 2 Contra
Alle fünf großen US-Rüstungstitel liegen aktuell unter ihrer 50- und 200-Tage-Linie, selbst RTX mit +16,8 % 12-Monats-Performance hängt -7,6 % unter dem SMA50. Die Bewertung ist trotz Rally nicht überhitzt (Forward-KGVs unter 5-Jahres-Schnitt bei allen fünf), aber solange die Marken nicht zurückerobert sind, ist das für mich kein bestätigter Aufwärtstrend.
03

Dividenden Agent

Bilanz der Teilfragen-Urteile: 3 Pro · 1 Contra
Die Bewertung ist branchenweit günstiger als der eigene Fünfjahresschnitt, aber die Dividendensubstanz ist ungleich verteilt: RTX und General Dynamics schütten konservativ aus, Huntington Ingalls fährt mit 81% des freien Cashflows und einem negativen Cashflow-Quartal praktisch ohne Sicherheitsnetz.
04

Growth Agent

Bilanz der Teilfragen-Urteile: 4 Pro
Die Rüstungsrally ist für mich größtenteils durch echtes Wachstum und harte Aufträge gedeckt, nicht durch bloßen Patriotismus-Aufschlag: fast alle fünf Titel handeln unter ihrem eigenen 5-Jahres-KGV-Schnitt, die Substanz ist aber ungleich verteilt, bei Huntington Ingalls mit 81% Ausschüttungsquote am dünnsten.
05

Contrarian Agent

Bilanz der Teilfragen-Urteile: 2 Pro · 2 Contra
Rüstungswerte sind nach den Zahlen günstiger als ihre eigene Historie und das Sentiment ist angstgetrieben, vor allem bei Northrop Grumman, aber ohne jede Insiderkäufe bleibt das für mich nur ein billiger Sektor, kein bestätigter Contrarian-Fall.

Die Diskussion

Die Diskussion

Die Leitfrage lautete: ist die Rüstungsrally schon reiner Patriotismus-Aufschlag, oder steckt noch echte Substanz dahinter? In einem Punkt sind sich alle fünf Positionen überraschend einig: von einer Bewertungsblase kann keine Rede sein. Lockheed Martin, Northrop Grumman, RTX, General Dynamics und Huntington Ingalls notieren allesamt mit ihrem Forward-KGV unter dem eigenen Fünf-Jahres-Schnitt, am deutlichsten Northrop im niedrigsten 20.-Perzentil seiner historischen Bewertung. Der politische Rückenwind, NATO-Ziel von 5 % des BIP, das EU-SAFE-Programm über 150 Mrd. Euro, das 76,6-Mrd.-Dollar-U-Boot-Paket für GD und HII, gilt als real, nicht als Stimmung.

Value Agent

Der Markt zahlt heute weniger für jeden erwarteten Zukunftsdollar als über die letzten fünf Jahre üblich.

Der erste echte Bruch in der Debatte kommt von der Kursseite. Während die Bewertungskennzahlen für Substanz sprechen, zeigt der Chart ein anderes Bild: alle fünf Titel liegen unter ihrer 50- und 200-Tage-Linie, Northrop verlor -21,7 % auf Jahressicht trotz solidem erwartetem EPS-Wachstum von 8,1 % für 2028. Genau an diesem Widerspruch, günstige Bewertung bei gleichzeitig gebrochenem Trend, entzündet sich der zentrale Dissens der Runde.

Momentum Agent

Billig kann billig aus gutem Grund sein. Ich kaufe keine Linie im Chart, die noch gebrochen ist, nur weil die Zahlen daneben gut aussehen.

Dagegen hält die bilanzorientierte Seite, dass der Chart Vergangenheit abbildet, keinen Backlog. Der Streit läuft letztlich auf eine Zeithorizont-Frage hinaus: reagiert man erst, wenn der Kurs die Wende bestätigt, oder schon, wenn die Zahlen das noch nicht eingepreiste Risiko relativieren? Besonders zugespitzt zeigt sich das bei Northrop Grumman, wo der 20. Oktober als Termin genannt wird, an dem sich entscheidet, ob der Cashflow-Einbruch aus dem ersten Quartal ein Einmaleffekt war oder der Anfang einer Serie.

Ein zweiter, unabhängiger Dissens betrifft nicht die Bewertung, sondern die Verteilung der Cash-Substanz. RTX schüttet nur 33 % seines freien Cashflows über Dividende und Rückkäufe aus, General Dynamics 40 %, beide mit Puffer für ihre milliardenschweren Bauprogramme. Bei Huntington Ingalls ist dieser Puffer schon weg: 81 % eines ohnehin dünnen freien Cashflows von nur 0,3 Mrd. Dollar, im zweiten Quartal sogar negativ.

Dividenden Agent

Wenn genau dort noch mehr Cash in die U-Boot-Programme umgelenkt wird, kippt die Dividende zuerst, nicht bei RTX oder GD.

Ein drittes Spannungsfeld liegt bei den Insidertransaktionen. Über alle fünf Titel hinweg fehlen echte Käufe komplett, nur Verkäufe stehen zu Buche. Doch die Debatte hat hier im Verlauf nachgeschärft: bei General Dynamics sieht das Verhältnis von 38 Verkäufen zu 22 Käufen nach planmäßiger Optionsausübung aus, bei Northrop Grumman dagegen stehen zwei Quartale in Folge ohne eine einzige Gegenbuchung, kombiniert mit echter fundamentaler Schwäche. Das verändert zwar nicht das Gesamturteil zum Sektor, schärft aber die Rangfolge innerhalb der Gruppe.

Contrarian Agent

Ohne Insiderkäufe bleibt das für mich billige Substanz statt bestätigter Contrarian-Chance, am ehesten noch beobachtbar bei Northrop Grumman, aber eben ohne das bestätigende Signal von innen.

Der Dissens in dieser Debatte ist also kein Streit über die Fakten, alle Seiten rechnen mit denselben Kennzahlen, sondern ein Streit über deren Reihenfolge und Gewichtung: Bewertung gegen Chart, Bilanz gegen Marktpreis, Sentiment gegen hartes Gegensignal. Belastbare Prüfpunkte, die diese Einschätzungen verschieben würden, liegen konkret vor: der Earnings-Termin bei Northrop am 20. Oktober und ob dort der EPS-Konsens von 30,39 Dollar für FY2027 bestätigt oder gesenkt wird, eine Rückeroberung der 50- und 200-Tage-Linien bei den jeweiligen Titeln, sowie erste echte Insiderkäufe irgendwo im Sektor, die bislang bei keinem der fünf Werte auftauchen. Offen bleibt zudem, wie belastbar die Bewertungsabschläge bei General Dynamics und Huntington Ingalls wirklich sind, weil dafür unabhängige Qualitätsquellen fehlen und sich die Einschätzung dort stärker auf reine Kennzahlen stützt.

Das Urteil

Das Urteil

Liegt das Forward-KGV der Rüstungswerte über ihrem eigenen 5-Jahres-Schnitt, und wie groß ist der Abstand?

3:2Verdikt

Die Mehrheit sieht im aktuellen Forward-KGV der Rüstungswerte echte Substanz, keinen eingepreisten Patriotismus-Aufschlag. Lockheed Martin handelt mit einem Forward-KGV von 15,8 gegen seinen eigenen 5-Jahres-Schnitt von 19,7, Northrop Grumman sogar bei 16,2 gegen 19,3 und damit im niedrigsten Bewertungsperzentil der Gruppe (20). Selbst RTX bleibt mit 23,5 gegen einen historischen Schnitt von 33,7 trotz höchstem absoluten Niveau unter seinem eigenen Mittel. Der Markt zahlt also heute für jeden erwarteten Zukunftsdollar weniger als über die letzten fünf Jahre üblich, bei allen fünf großen Titeln gleichzeitig. Dieser Abstand ist für die Mehrheit der eigentliche Beleg dafür, dass hier Substanz statt reiner Stimmung steckt, auch wenn Tiefe und Verlässlichkeit dieses Rabatts von Titel zu Titel unterschiedlich eingeschätzt werden.

Abweichende Meinung, Momentum Agent

Momentum Agent

Die Gegenposition bestreitet den Zahlenbefund nicht, zweifelt aber daran, dass der Abstand zum 5-Jahres-Schnitt für sich genommen etwas beweist. Der Einwand: billig kann billig aus gutem Grund sein. Bei Northrop Grumman trifft das niedrigste Bewertungsperzentil (20) ausgerechnet auf einen Kurs, der -17,4 % unter der 200-Tage-Linie liegt und auf Zwölfmonatssicht -21,7 % verloren hat, der Markt preist dort den verlorenen F/A-XX-Wettbewerb und einen Cashflow-Einbruch ein, Dinge, die ein historisches KGV-Perzentil nicht abbildet. Zusätzlich fehlt über den ganzen Sektor jedes bestätigende Signal von innen: bei keinem der fünf Titel gibt es echte Insiderkäufe, Northrop zeigt über zwei Quartale in Folge ausschließlich Verkäufe ohne eine einzige Gegenbuchung. Für die Minderheit bleibt der Bewertungsabstand damit ein Kontextfaktor, kein eigenständiger Beleg für Substanz, solange weder der Chart noch das Verhalten der Manager diesen Abschlag bestätigen.

Decken die Analystenschätzungen für Umsatz- und Gewinnwachstum der nächsten zwei Geschäftsjahre die 12-Monats-Kursrally der Titel?

3:2Verdikt

Die Mehrheit sieht die Wachstumsschätzungen für den Sektor überwiegend durch harte Fakten gedeckt, nicht durch einen reinen Stimmungsaufschlag. Alle fünf großen US-Rüstungstitel handeln mit ihrem Forward-KGV unter dem eigenen Fünf-Jahres-Schnitt, am deutlichsten Northrop Grumman mit 16,2 gegen einen Schnitt von 19,3. Die Nachfrageseite gilt als strukturell belegt: das NATO-Ziel von 5 % des BIP, der EU-SAFE-Fonds über 150 Mrd. Euro und das 76,6-Mrd.-Dollar-U-Boot-Paket für GD und HII liefern reale Auftragsbestände statt bloßer Erwartung. Am klarsten passt Kurs und Fundamentaldaten bei RTX zusammen: ein EPS-Wachstum TTM von 24,8 % und ein Backlog von 289 Mrd. Dollar stehen einer 12-Monats-Performance von +16,8 % gegenüber. Bei Titeln wie Northrop Grumman erklärt die Mehrheit die Kursschwäche trotz solidem erwarteten EPS-Wachstum (+8,1 % FY2028e) mit Sondereffekten wie dem verlorenen F/A-XX-Wettbewerb, nicht mit fehlender Substanz. Einigkeit besteht auch darin, dass Cashflow-Qualität und Ausschüttungsquoten stark auseinanderfallen, Huntington Ingalls mit 81 % Ausschüttung eines dünnen freien Cashflows gilt übereinstimmend als Titel mit dem geringsten Puffer.

Abweichende Meinung, Momentum Agent

Momentum Agent

Momentum, der stärkste Widersprecher, hält dagegen: vier von fünf Titeln notieren aktuell unter ihrer 50- und 200-Tage-Linie, Northrop Grumman liegt -17,4 % unter der 200-Tage-Linie und verlor binnen zwölf Monaten -21,7 %, trotz vergleichbarer Wachstumslogik wie bei RTX. Daraus folgt für momentum: die Wachstumsschätzungen übersetzen sich aktuell gerade nicht in Kursstärke, selbst RTX mit der besten Performance hängt noch -7,6 % unter dem SMA50 und -4,6 % unter dem SMA200. Ein Trend gilt laut momentum erst als bestätigt, wenn der Kurs die 50- und danach die 200-Tage-Linie auf Schlusskursbasis zurückerobert, unabhängig davon wie günstig die Bewertung historisch aussieht. Contrarian stützt den Einwand aus anderer Richtung: ohne echte Insiderkäufe, bei Northrop Grumman über zwei Quartale hinweg zehn beziehungsweise elf Verkäufe ohne eine einzige Gegenbuchung, bleibt die günstige Bewertung für sie billige Substanz, kein bestätigtes Signal dafür, dass der Markt die Wachstumsstory tatsächlich goutiert.

Wie hoch ist der Anteil von Dividenden und Rückkäufen am freien Cashflow (FCF), und bleibt genug Substanz für Investitionen übrig?

4:1Verdikt

Die Mehrheit sieht die Substanzfrage differenziert, aber überwiegend positiv: bei RTX (33% Ausschüttungsquote vom FCF) und General Dynamics (40%) bleibt reichlich Spielraum für die milliardenschweren Rüstungsprogramme wie das 76,6-Mrd.-Dollar-U-Boot-Paket. Lockheed Martin (56%) und Northrop Grumman (59%) liegen solide, aber nicht komfortabel dazwischen, bei NOC zusätzlich belastet durch die mit 28% höchste Capex/OCF-Quote der Gruppe. Kritisch wird es bei Huntington Ingalls: 81% eines ohnehin dünnen TTM-FCF von nur 0,3 Mrd. Dollar, im Q2/2026 sogar negativ, das lässt kaum Puffer für Investitionen. Gestützt wird die Substanzfrage von harter Nachfrage (NATO-5%-Ziel, EU-SAFE-Programm über 150 Mrd. Euro), unklar bleibt laut Mehrheit aber, wie viel davon am Ende als freier Cashflow bei den Aktionären ankommt statt in steigenden Capex zu verschwinden. Als Warnsignal wird zudem durchgängiger Insider-Verkauf ohne Gegenkäufe bei LMT, NOC und GD genannt, wobei bei GD das Muster eher nach Optionsausübung als nach Alarm aussieht.

Abweichende Meinung, Dividenden Agent

Dividenden Agent

Momentum widerspricht der Grundannahme, dass die Payout-Substanz-Frage für die Einschätzung handlungsleitend sei: alle fünf Titel notieren unter ihrer 50- und 200-Tage-Linie, selbst RTX mit der besten 12-Monats-Performance (+16,8%) liegt -7,6% unter dem SMA50. Der zentrale Einwand lautet, der Markt habe etwaige Fundamentaldaten längst im Kurs verarbeitet, der Preis bewege sich vor jeder Bestätigung, nicht danach. Für eine Neubewertung verlangt momentum eine zweistufige technische Bodenbildung (Rückeroberung von SMA50 und anschließend SMA200 auf Schlusskursbasis), unabhängig davon, wie günstig Bewertung oder Ausschüttungsquote historisch wirken. Damit wird die Substanzfrage nicht inhaltlich bestritten, aber als nachrangig gegenüber dem fehlenden bestätigten Aufwärtstrend eingestuft.

Welche konkreten Verteidigungsbudget-Beschlüsse (z. B. NATO-Ausgabenziele, EU-Rüstungsfonds) und neuen Großaufträge stützen aktuell die Nachfrageerwartung?

5:0Einstimmig

Alle fünf Positionen sehen die politische Nachfrageseite als real und nicht nur als Stimmung: Das NATO-Ziel von 5 % des BIP und der EU-SAFE-Fonds über 150 Mrd. Euro gelten einhellig als konkrete, beschlossene Rückenwind-Faktoren, nicht als vage Erwartung. Als Beleg für harte Nachfrage in Auftragsbüchern nennen mehrere Positionen das 76,6-Mrd.-Dollar-U-Boot-Paket für General Dynamics und Huntington Ingalls sowie RTX' kurzfristig eingesammelte Mehrjahresverträge über bis zu 20,7 Mrd. Dollar (AMRAAM) und 24,4 Mrd. Dollar (SM-6). Diese Beschlüsse und Aufträge werden durchgängig als Stütze für die EPS-Wachstumsschätzungen von 7 bis 16 Prozent für 2028 angeführt, etwa bei Huntington Ingalls mit +16,4 % erwartetem Wachstum. Uneinigkeit besteht in der Debatte nur darüber, wie gleichmäßig sich dieser politische Rückenwind in Kurse und Cashflows übersetzt, nicht darüber, ob die Budgetbeschlüsse und Großaufträge selbst echt und ausreichend sind.

FAQ

Häufige Fragen

Warum gilt die Bewertung der Rüstungsaktien trotz der Rally als eher günstig?

Alle fünf Titel notieren beim Forward-KGV unter ihrem eigenen Fünfjahresschnitt. Lockheed Martin liegt bei 15,8 gegenüber 19,7, Northrop Grumman bei 16,2 gegenüber 19,3 und damit im niedrigsten Bewertungsperzentil der Gruppe. Selbst RTX bleibt mit 23,5 gegen einen historischen Schnitt von 33,7 unter dem eigenen Mittel, auch wenn es absolut der teuerste Titel ist.

Warum ist die Kursentwicklung der fünf Titel so unterschiedlich, obwohl die Wachstumsschätzungen ähnlich stark sind?

Nur RTX legte auf Zwölfmonatssicht deutlich zu, um 16,8 Prozent, während Northrop Grumman um 21,7 Prozent fiel, General Dynamics leicht um 0,4 Prozent nachgab und Huntington Ingalls 9,7 Prozent verlor. Bei Northrop spielten ein Cashflow-Einbruch im ersten Quartal und der an Boeing verlorene Marinejäger-Wettbewerb eine Rolle, nicht fehlendes Gewinnwachstum.

Wie sicher ist die Ausschüttung bei Huntington Ingalls?

Huntington Ingalls zahlt bereits 81 Prozent seines freien Cashflows von nur 0,3 Milliarden Dollar TTM für Dividende und Rückkäufe aus und rutschte im zweiten Quartal 2026 sogar ins Negative. Zum Vergleich: RTX schüttet nur 33 Prozent, General Dynamics 40 Prozent ihres freien Cashflows aus und haben damit deutlich mehr Puffer für Investitionsprogramme.

Welche politischen Beschlüsse stützen die Nachfrage nach Rüstungsgütern?

Das NATO-Ausgabenziel von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, beschlossen beim Gipfel in Den Haag 2025, und das EU-Rüstungsprogramm SAFE über 150 Milliarden Euro bilden die strukturelle Basis. Konkret zeigen sich daraus unter anderem das 76,6-Milliarden-Dollar-U-Boot-Paket für General Dynamics und Huntington Ingalls sowie RTX-Mehrjahresverträge für AMRAAM und SM-6 über zusammen mehr als 40 Milliarden Dollar.

Was müsste passieren, damit sich die Einschätzung zu Northrop Grumman ändert?

Am 20. Oktober steht der nächste Zahlenausweis an, dort entscheidet sich laut Dossier-Debatte, ob der Cashflow-Trend sich stabilisiert oder der freie Cashflow weiter Richtung des Vorjahrestiefs von 1,3 Milliarden Dollar absackt. Zusätzlich fehlen über zwei Quartale hinweg jegliche Insiderkäufe bei gleichzeitig zehn beziehungsweise elf Verkäufen, und der Kurs müsste erst die 50-Tage-Linie bei 528,20 Dollar und danach nachhaltig die 200-Tage-Linie bei 594,67 Dollar zurückerobern.

Belege & Quellen

2

Decken die Analystenschätzungen für Umsatz- und Gewinnwachstum der nächsten zwei Geschäftsjahre die 12-Monats-Kursrally der Titel?

3

Wie hoch ist der Anteil von Dividenden und Rückkäufen am freien Cashflow (FCF), und bleibt genug Substanz für Investitionen übrig?

4

Welche konkreten Verteidigungsbudget-Beschlüsse (z. B. NATO-Ausgabenziele, EU-Rüstungsfonds) und neuen Großaufträge stützen aktuell die Nachfrageerwartung?

5

Hausdaten LMT (FMP, Stand 14.10.2026)

  • Financial Modeling Prep (FMP), deterministisch gerechnet14.10.2026
6

Hausdaten RTX (FMP, Stand 14.10.2026)

  • Financial Modeling Prep (FMP), deterministisch gerechnet14.10.2026
7

Hausdaten NOC (FMP, Stand 14.10.2026)

  • Financial Modeling Prep (FMP), deterministisch gerechnet14.10.2026
8

Hausdaten GD (FMP, Stand 14.10.2026)

  • Financial Modeling Prep (FMP), deterministisch gerechnet14.10.2026
9

Hausdaten HII (FMP, Stand 14.10.2026)

  • Financial Modeling Prep (FMP), deterministisch gerechnet14.10.2026

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